Unsere Dorf-Chronik
Vor über einem halben Jahrtausend erstmals urkundlich erwähnt hat auch Heischeid eine lange Geschichte die es wert ist, erzählt zu werden. Wir freuen uns darauf , dies gemeinsam mit Euch zu verwirklichen.
Heischeider Geschichte(n)
Ansicht von Heischeid um 1900
Unser kleines Dorf hat eine Geschichte, die mindestens bis ins Jahr 1487 zurückreicht, als es erstmals in den Darlehensregistern des Herzogs Wilhelm III. von Berg noch unter dem Namen “Heyschyt” erwähnt wurde. Weitere urkundliche Nennungen erfolgten 1487 „Heyschyt“, 1494 „Heyscheyt“, 1541 „Heischeit“ und schließlich 1575 auf der Mercator-Karte unter dem Namen „Heyschidt“. Die Herkunft des Namens deutet auf die alten Bedeutungen “Rücken eines Hügels”, “Grenze”, “Grenzlinie” und “Haingrenze” hin.
Das früher zur Kirchengemeinde Eckenhagen gehörende Heischeid wurde am 1. September 1887 zusammen mit anderen Höfen an das Pfarrvikariat Denklingen (ab 1894 Kirchengemeinde) abgetreten und gehört noch heute zur Evangelischen bzw. Katholischen Kirchengemeinde Denklingen.
Heischeid war Vorort der sogenannten „Heyscheider Rotte“, einer aus dem Mittelalter herrührenden unteren Verwaltungseinheit, anderswo Honschaft oder Bauerschaft genannt. 1731, also knapp 100 Jahre nach den verheerenden Ereignissen des 30jährigen Krieges und insbesondere nach den Pestjahren 1634/36 werden neun Haushalte, also etwa 60 Personen gezählt — das wird auch in etwa dem Stand vor 1600 entsprechen. Noch einmal 100 Jahre später liegt die Einwohnerzahl um die 70, 1861 sind es 83.
Damals bereits gab es dort die Gastwirtschaft Chr. Köster und die Warenhandlung W. Schütz, wie das Adressbuch jener Zeit ausweist. Ob diese Geschäfte mit der Eröffnung des Grubenbetriebs in der Nähe des Ortes zusammenhängen, ist unklar.
1897 war Heischeid Schulort geworden, doch wurde die Schule nicht im Ort selber, sondern auf halbem Wege nach Brüchermühle gebaut. Um 1900 war der Ort nur unwesentlich größer als 50 Jahre vorher; 20 Häuser zählte man und etwas mehr als 100 Einwohner (1905).
In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in Heischeid eine Posthilfsstelle eingerichtet. Die nächsten Postagenturen befanden sich in Brüchermühle, Drespe und Odenspiel.
Bildergalerie: Historische Bilder
Hier eine (zugegeben noch überschaubare) Bildergalerie historischer Aufnahmen von Heischeid, die wir hoffentlich mit Eurer Hilfe bald ausbauen zu können.
Heute, dicht an der großen Wiehltalsperre gelegen, ist der kleine Ort ein attraktives Wohngebiet mit 255 Einwohnern (Stand 2023).
Beim Spaziergang durch Heischeid kann man die Präsenz verschiedener historischer Gebäude bemerken, darunter die denkmalgeschützten Fachwerkhäuser des 18. Jahrhunderts, der Zeit also, wo der Bergbau in besonderer Blüte stand und die noch heute von der reichen architektonischen Tradition der Region zeugen. Allein an Fachwerkhäusern mit alten Türsprüchen werden vier gezählt (von 1696, 1738, 1746 und 1798), darunter auch das Anwesen Simon von 1738. Der Türspruch lautet: „ACH GOTT BEWAHRE DIESES HAUS FÜR ALLEM UNGLÜCKS FÄLLEN FÜHRE UNS MIT SEGEN EIN UND AUS UND BEHÜT UNS FÜR DER HÖLLEN ANNO 1738 D 22 MAI IOH JACOB DEUBEL ALANDFUS EHELEUT.“
Der Feuerwehrturm
Eines der charakteristischsten Gebäude in Heischeid ist der alte Feuerwehrturm von 1912, der zwar nicht mehr in Betrieb ist, aber die historische Bedeutung des ehrenamtlichen Dienstes in der Gemeinschaft bezeugt. Obwohl seine Funktion eingestellt wurde, bleibt der Turm ein visueller Orientierungspunkt für die Bewohner und Besucher und ist heute das Wahrzeichen von Heischeid.
Liste der Baudenkmäler in Heischeid
Sie enthält die eingetragenen denkmalgeschützten Bauwerke im Ort Heischeid (Stand: Oktober 2011).
Die Schule am Eschweg Ende der 30er Jahre
Die Schule am Eschweg
Nachdem die Kinder von Heischeid Jahrhunderte lang teils nach Denklingen und teils nach Sotterbach in die Schule gehen mussten, entstand 1694 für mehrere Ortschaften (darunter auch Heischeid) eine Schule in Schemmerhausen. 1897 wurde Heischeid Schulort und 1899 wurde auf halben Wege an der Straße zwischen Brüchermühle und Heischeid die Schule am Eschweg errichtet — langjährige Wirkungsstätte geachteter Lehrer wie Fischbach und Hillnhüter.
Über 30 Jahre war Herbert Hillnhüter Lehrer in der Schule am Eschwege. Er war ein beliebter, interessanter und geachteter Lehrer — ganze Generationen aus Heischeid, Brüchermühle und Nachbardörfern gingen durch seine Schule, wurden durch ihn geprägt. Er gehörte bereits 1928 zu den ersten Autobesitzern im Reichshof.
Bleibergwerk Emilie II um 1900
ca. 400m ausserhalb von Heischeid in Richtung Brüchermühle
Bergbau in Heischeid
Aus einer Urkunde über “Mutungen und Belehungen” geht hervor, dass am 12. Oktober 1752 Michael Bickenbach aus der Honschaft Heischeid für drei Monate eine Genehmigung zum Bleiabbau bei Heischeid erhalten hat. Historiker gehen jedoch davon aus, dass schon vor dem 30jährigen Krieg (1618 ‑1648) hier auf Blei und Silber geschürft wurde.
Der Bergbau um Heischeid wird, ähnlich wie der im übrigen Reichshof (z. B. bei Wildberg), in den letzten 200 Jahren seines Bestehens einem ständigen auf und ab unterworfen gewesen sein. Um 1899/1900 waren noch gut 40 bis 50 Arbeiter auf den Heischeider Schächten beschäftigt. Aber bereits 1907 war das endgültig zu Ende — das Adressbuch von 1912 weist keinen einzigen Bergmann mehr auf.
Liste der Bodendenkmäler in Heischeid
Die Liste enthält die denkmalgeschützten unterirdischen baulichen Anlagen und Reste oberirdischer baulicher Anlagen, die im Bereich Heischeid eingetragen sind (Stand: September 2020).
Die Grube Emilie II
Der dreiteilige Schacht der Heischeider Grube hatte ursprünglich nur eine Tiefe von 50 m; zwei Drittel des Schachtes dienten zur Aufnahme der Fahrkörbe, und im dritten Teil lief eine massive Holzleiter. Die Bergmänner durften die Fahrkörbe zwar nicht selber benutzen, sie waren auf die Leiter angewiesen, diese Vorschrift wurde aber allzu oft umgangen.
In 50 m Tiefe wurde ein Stollen getrieben, in welchem man reichlich Bleierze fand. Aber es war lockeres Gebirge, sehr stark mit Lehm durchsetzt. Wahrscheinlich war dies der Grund dafür, dass man den Schacht bis auf 84m abteufte (nach unten verlängerte). Von dieser Sohle aus wurde zunächst ein Stollen in Richtung Ufermühle gebaut, dann schwenkte man in Richtung Löffelsterz ab.
Allgemein waren die Stollen 200 bis 250 m lang. Andere Stollen gingen in Richtung Fürken, Krohenhard und Heinrichs Siefen. Beim Schacht Richtung Heinrichs Siefen musste die Arbeit wegen Wassereinbruchs beendet werden. Eingedrungenes Wasser wurde zunächst auf 50 m, dann auf 25 m gepumpt; von hier führte dann ein Abflussstollen ins Freie.
Zwei stehende Dampfkessel, später kam ein moderner liegender hinzu, lieferten die nötige Kraft für die Leistung der Fahrkörbe, der Wasserpumpen und der Erzwäsche. Die Maschinisten arbeiteten in drei Schichten, 30 Arbeiter in zwei Schichten unter Tage, und acht Arbeiter waren über Tage eingesetzt; davon wiederum sechs Arbeiter in der unmittelbar am Schacht gelegenen Erzwäsche.
Hier in der Erzwäsche wurde das Erzgestein durch grobe Roste gescharrt. Dickere Brocken wurden erst auf den Erztischen in handliche Stücke zerkleinert und dann ebenfalls durch die Roste geschüttet. Anschließend kam alles Erzgestein in den Brecher, wo es zu kleineren Stücken gebrochen wurde. Dann wurde es gesiebt und in Setzkästen geschaufelt und mit viel Wasser wurde nun das Blei vom Gestein und Sand getrennt. Das übriggebliebene nahezu reine Blei wurde in kräftige Säcke gefüllt, im Bleischuppen gelagert und dann mit Pferdefuhrwerken abtransportiert.
Der Abbau gestaltete sich jedoch aufgrund des kalk- und versteinerungsreichen und damit mürben Gesteins immer schwieriger und aufwendiger, sodass die Förderung im Juli 1907 endgültig zum Erliegen kam.
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Dann laden wir Dich herzlich ein, die Geschichte unseres Ortes zu dokumentieren und sie für die nächsten Generationen zu bewahren!
Bei Interesse einfach eine E‑Mail an: chronik@heischeid.de
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Jeder, der sich daran beteiligen möchte ist herzlich dazu eingeladen, die Geschichte gemeinsam mit uns zu erweitern (Infos bitte an chronik@heischeid.de).




