Är­ger um Stra­ßen­aus­bau in Hei­scheid: An­woh­ner sol­len zah­len

Mittwoch, 10. Juli 2024

Für Ei­gen­tü­mer in NRW kann es plötz­lich teu­er wer­den: Ob­wohl die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge ab­ge­schafft sind, kön­nen die Kom­mu­nen noch im­mer An­lie­ger zu Kas­se bit­ten. Ein Fall aus dem Ober­ber­gi­schen Hei­scheid zeigt, was pas­sie­ren kann.

Der Un­ter­schied ist für den Lai­en kaum zu er­ken­nen: Zwei Stra­ßen kreu­zen sich im ober­ber­gi­schen Reichs­hof. Bei­de Wege sind asphal­tiert, es lie­gen Gul­lys und es ste­hen La­ter­nen. Doch für die An­woh­ner der Stra­ße “Auf dem Lehm­el” wird es teu­er. Denn die Stra­ße ist noch nicht fer­tig aus­ge­baut. Das be­deu­tet für die An­woh­ner Kos­ten von meh­re­ren zehn­tau­send Euro.

Ist die Stra­ße fer­tig ge­baut oder nicht?
Es ist ein Fall, der über­all in Nord­rhein-West­fa­len spie­len könn­te. Zwar sind die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge seit Ja­nu­ar 2018 de fac­to ab­ge­schafft. Die Kom­mu­ne darf die An­woh­ner also nicht mehr an den Kos­ten be­tei­li­gen. Das gilt al­ler­dings nur für Stra­ßen, die laut Bau­ge­setz­buch fer­tig­ge­stellt sind und bei­spiels­wei­se sa­niert wer­den müs­sen. Der End­aus­bau ei­ner Stra­ße, wie in die­sem Fall, wird wei­ter­hin zu 90 Pro­zent auf die An­woh­ner um­ge­legt. Den Rest zahlt die Kom­mu­ne.

Fa­mi­lie Hal­ler wohnt seit mehr als 50 Jah­ren in Reichs­hof-Hei­scheid. Das El­tern­haus liegt ver­steckt hin­ter ei­nem ho­hen Wild­gar­ten. Den Hal­lers ge­hö­ren meh­re­re Grund­stü­cke ent­lang der etwa 100 Me­ter lan­gen Stra­ße. Des­halb sind sie mehr als an­de­re An­lie­ger von den Mehr­kos­ten be­trof­fen.

War­um wird die Stra­ße aus­ge­baut?
Geht es nach der Ge­mein­de, soll hier in Reichs­hof-Hei­scheid die Woh­nungs­not be­kämpft wer­den. Da­für soll in Zu­kunft auf den lee­ren Grund­stü­cken, ent­lang der Stra­ße “Auf dem Lehm­el” ge­baut wer­den. Des­we­gen soll auch die Stra­ße, die dort hin­führt, fer­tig aus­ge­baut wer­den. “Wir wol­len un­se­re Dör­fer wei­ter­ent­wi­ckeln”, sagt Bür­ger­meis­ter Rü­di­ger Gen­nies. “Die Ei­gen­tü­mer müs­sen sich selbst über­le­gen, ob sie die Grund­stü­cke be­bau­en oder auf dem Markt ver­kau­fen.” Und wei­te­re Ge­mein­de­stra­ßen sol­len fol­gen.

Im Früh­jahr 2025 sol­len da­für die Bag­ger an­rü­cken, 13 Jah­re spä­ter als ur­sprüng­lich von der Ge­mein­de ge­plant. Seit­dem hät­ten sich al­lei­ne die Bau­prei­se je­doch ver­drei­facht, schät­zen die Ei­gen­tü­mer. Eine letz­te Asphalt­schicht soll auf­ge­tra­gen und die Fahr­bahn mit Stei­nen ab­ge­grenzt wer­den. Fa­mi­lie Hal­ler rech­net da­für mit Kos­ten von 80.000 Euro, von de­nen sie ei­nen gro­ßen An­teil tra­gen müs­sen. Ohne Schul­den wer­den sie die­se Sum­me nicht be­zah­len kön­nen, sa­gen sie.

Quel­le: WDR, Ju­li­an Piep­korn

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