Die zahlreichen Besucher gaben sich den Türknauf in die Hand. Sie waren angereist aus Gummersbach, Bensberg, Köln und Münster. Interessiert und neugierig besuchten sie am „Tag des offenen Denkmals“ die Handweberei im Alten Haus in Heischeid. Weberin und Hausbesitzerin Jutta Ringsdorf empfing die Gäste und stellte im denkmalgeschützten Haus vor, wie ein Gewebe entsteht.
Das Fachwerkhaus, das um das Jahr 1700 erbaut wurde und für die Zeit sehr großzügig gestaltet wurde, ist seit vier Generationen im Besitz der Familie von Jutta Ringsdorf.
Mehr als eine Handvoll funktionstüchtiger Webstühle befinden sich in den gemütlichen Räumen, die alle mit viel Liebe zum Detail eingerichtet sind. „Wenn man Weber ist, kommen einem die Webstühle zugelaufen“, scherzt die Handwebergesellin.
Sie kann sie alle bedienen, weil bei allen das Grundprinzip gleich ist – Kette und Schuss werden verkreuzt, man müsse sich vorher nur überlegen, was man herstellen möchte und welches Material verwendet werden soll. Wolle, Baumwolle und Leinen sind die überwiegend verwendeten Materialien, die in Jutta Ringsdorfs Handweberei verarbeitet werden. Am pedalbetriebenen Spinnrad zeigte Lisa Anschütz vom Archehof Windeck wie aus den bauschigen Ballen der Schafswolle Garne gesponnen werden.
Mit sehr viel Sorgfalt und Geschicklichkeit entstehen dann auf den Webstühlen wunderbare Unikate wie Decken, Tischwäsche, Teppiche, Geschirrtücher oder Schals in verschiedenen Bindungen und allen Schattierungen des Regenbogens. Mit Leib und Seele ist Jutta Ringsdorf Weberin. „Beim Weben komme ich zur Ruhe, das entspannt mich ungemein“, schwärmt die sympathische Weberin. In ihrer freien Zeit, die Diplompädagogin hat eine halbe Stelle beim Kirchenkreis An der Agger, webt sie zwischen zehn und 15 Stunden in der Woche.
Gerne gibt sie ihr Wissen über diese alte Handwerkskunst weiter. „Freitags ist mein Webereitag – da bin ich immer hier“, sagt sie und freut sich über interessierte Besucher. Auf Anfrage würde sie
auch Interessierte zu einem Kurs zusammenfassen.
Zum ersten Mal hat sie an dem bundesweiten „Tag des Offenen Denkmals“ teilgenommen, weil ihr das diesjährige Motto „Entdecken, was uns verbindet“ gut gefiel. Angenehm überrascht ist sie, wie viele sich noch für dieses alte Handwerk interessieren.
Quelle: © Rheinische Anzeigenblätter — Karin Rechenberger

